Modellprojekt

Modellprojekt in Berlin-Brandenburg

„Tiny Farms“ stellt sich vor
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Tiny Farms

Ziel des ausgewählten Modellprojekts in der Region Berlin-Brandenburg ist es, den unternehmerischen Einstieg in die Landwirtschaft für Neu- und Quereinsteiger*innen zu erleichtern. Hierfür plant das junge Berliner Unternehmen Tiny Farms ein Netzwerk von gepachteten Kleinst- und Splitterflächen in der Region, sogenannte Mikrofarmen, zu bilden und zu einer virtuellen Großfarm zusammenzuschließen. Im Rahmen des Modellprojekts soll nun erstmalig die „Ausgründung“ mit zwei Kleinfarmern probiert werden, die das Tiny Farms Trainingsprogramm durchlaufen haben und nun „neu“ in das Berufsfeld einsteigen.

Die beiden Geschäftsführer und Gründer von Tiny Farms, Jacob Fels und Tobias Leiber, geben zusammen mit Sarah Böttger, die auch Teil des Tiny Farms-Teams ist, Einblicke in die Herausforderungen und Potenziale des Projekts sowie die Ziele, die durch die Zusammenarbeit mit dem KOPOS-Projekt angestrebt werden.

Jacob Fels und Tobias Leiber (Geschäftsführer und Gründer von Tiny Farms GmbH)
Jacob Fels und Tobias Leiber (Geschäftsführer und Gründer von Tiny Farms). © Carla Ulrich

Die Antworten stehen auch als PDF-Dokument zum Download bereit.

Was genau macht eure Initiative/euer Projekt?

Mit einer Vielzahl neugegründeter Mikrobetriebe möchten wir die regionale Produktion als wichtigen Baustein einer zukunftsfähigen Landwirtschaft steigern und Neueinsteiger*innen den Zugang zur Landwirtschaft ermöglichen. Unser Dreisäulen-Konzept, bestehend aus Tiny Farms Anbau, Tiny Farms Software und Tiny Farms Academy ermöglicht es, nachhaltig zu produzieren, große Märkte zu bedienen und dem Fachkräftemangel im Erwerbsgemüsebau zu begegnen.

Wie ist diese Projektidee entstanden? Wer hat hier mitgewirkt?

Die Gründer von Tiny Farms sind Jacob Fels und Tobias Leiber. Und so ist unsere Geschäftsidee entstanden: Während Berlin die Weichen für eine Ernährungswende mit deutlich mehr Bioprodukten stellt, kommt fast nichts davon aus der Region. Der Bedarf ist da, wird aber nicht gedeckt. Das wollten Jacob und Tobias ändern und haben daher ein Betriebskonzept entwickelt, dass die drei wichtigsten Hindernisse einer bioregionalen Produktion angeht: Mangel an Land, Mangel an Fachkräften und Mangel an funktionierenden Wertschöpfungsketten. Unsere Antwort darauf lautet: Biointensiver Anbau mit möglichst wenig Flächenbedarf, Öffnung für Quereinsteiger*innen und Aufbau einer eigenen Wertschöpfungskette.

Welche Schritte plant ihr gerade?

Nachdem wir in Brandenburg erfolgreich ein erstes Cluster gebildet haben, bauen wir nun an weiteren Farmen in Brandenburg. Zudem steht als nächstes die Etablierung des Tiny Farms Systems in Hamburg und weiteren Bundesländern an.
Die hohe Nachfrage aus verschiedenen Bundesländern hat uns auch dazu veranlasst, das Programm der Tiny Farms Academy weiterzuentwickeln. Ab März starten wir mit dem neuen Format, welches nun auch für Teilnehmer*innen zugänglich ist, die nicht im Umkreis von Berlin/ Brandenburg wohnen.

Außerdem wird im Sommer eine Tiny Farms Summer School in Hamburg stattfinden.

Welche Herausforderungen und Chancen seht ihr aktuell in Brandenburg, wenn es um den Zugang zu Land und zur Landwirtschaft geht?

Die Vorteile einer Tiny Farm sind Kostenreduktion und Flexibilisierung durch die radikale Minimierung von Flächenbedarf, Investitionen und Ressourceneinsatz. Unsere sogenannten Mikrofarmen sind nur 0,3 - 0,5 ha groß und mit unserem biointensiven Anbau entwickeln wir auf diesen einen tragfähigen Betrieb. Der geringe Platzbedarf unterscheidet uns von klassischen Landwirtschaftsbetrieben und erleichtert uns selbstverständlich auch den Zugang zu Land, da wir auf viele kleine, verfügbare Flächen setzen. So vereinfachen wir den Einstieg in die Landwirtschaft auch für Neueinsteiger*innen.

Was macht die Kooperation mit dem KOPOS Projekt für euch interessant?

Zum einen interessiert uns die wissenschaftliche Erforschung unseres Ansatzes, von der wir ebenfalls profitieren können, indem wir die Erkenntnisse nutzen, um uns kontinuierlich zu verbessern. Zum anderen ist für uns das inspirierende KOPOS Netzwerk von großem Interesse.

Was macht ihr mit den 100.000 Euro?

Wir begleiten zwei Gründer*innen auf ihrem Weg zum landwirtschaftlichen Betrieb und entwickeln dabei unser System so weiter, dass es als Vorlage für viele weitere Neueinstiege in die Landwirtschaft dient. Das Ganze begleiten wir kommunikativ, um möglichst viele Menschen für einen Neueinstieg in die Landwirtschaft zu begeistern.

Wie kann euch das KOPOS-Projektteam bei eurem Vorhaben helfen?

Das KOPOS-Projektteam kann uns mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Forschung weiterbringen. Außerdem ermöglicht uns das große Netzwerk einen spannenden Austausch und Kontakte in andere Bereiche. Die Finanzierung macht es möglich, mehr Menschen konkrete Hilfestellungen beim Einstieg in die Landwirtschaft zu geben.

Wie habt ihr nach eurem Modellvorhaben idealerweise die Welt verbessert?

Wir haben zahlreichen Menschen den Zugang zur Landwirtschaft ermöglicht und ihnen das Wissen vermittelt, um auf den landwirtschaftlichen Flächen den bereits erwähnten biointensiven Anbau zu betreiben. Bio bedeutet für uns nicht nur, dass diese Flächen biozertifiziert sind, sondern auch, dass ständig daran gearbeitet wird, die biologische Vielfalt sowie die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu erhöhen. Indem wir mit dem intensiven Verfahren einen maximalen Ertrag auf minimaler Fläche erzielen, schonen wir wichtige Ressourcen wie Land, Wasser und Energie. Somit sind die Tiny Farms auch aus Perspektive des Klima- und Artenschutzes ausschlaggebend.

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